Die Maschinenstundensatzrechnung findet ihr Anwendungsgebiet insbesondere dann, wenn in einer Kostenstelle unterschiedliche Maschinen stehen. Beim Einsatz unterschiedlich kostenintensiver Maschinen mit unterschiedlichen Beanspruchungen innerhalb der gleichen Kostenstelle würde das Arbeiten mit einem einzigen Gemeinkostenzuschlagssatz, berechnet aus dem Verhältnis aller Fertigungsgemeinkosten und den Fertigungslöhnen, zu einem nicht erwünschten "kalkulatorischen Ausgleich" führen.
Folglich werden bei der Maschinenstundensatzrechnung
die maschinenabhängigen Kosten von den Fertigungsgemeinkosten getrennt.
Auf die Kostenträger können somit die anfallenden Kosten entsprechend
der Inanspruchnahme der Maschine verechnet werden.
Die Maschinenkosten setzen sich vor allem zusammen
aus:
| a) kalkulatorischen Abschreibungen KA |
| b) kalkulatorischen Zinsen KZ |
| c) Instandhaltungskosten KI |
| d) Raumkosten KR |
| e) Energiekosten KE |
Erläuterung der benötigten Kostenarten zur Ermittlung des Maschinenstundensatzes:
a) kalkulatorischen Abschreibungen KA
Ergeben sich aus dem Wiederbeschaffungswert und der voraussichtlichen Nutzungsdauer.
Wiederbeschaffungskosten = geschätzter Preis der aufgrund von Preissteigerungen zum heutigen Zeitpunkt für die Maschine bezahlt werden muß
Nutzungsdauer der Maschine = die Zeit, in der die Maschine betrieblich genutzt wird
b) kalkulatorischen Zinsen KZ
Kalkulatorische Zinsen sind Zinsen, die für das im Unternehmen vorhandene Fremdkapital gezahlt werden. Die Zinsen werden vom halben Wiederbeschaffungswert errechnet.
c) Instandhaltungskosten KI
Instandhaltungskosten beinhalten Kosten für die Herstellung (Reparatur) und Erhaltung (Wartung) der Funktionsfähigkeit der Maschine. Auch maschinenabhängige Betriebsstoffe z.B. Schmierstoffe für die Zerspanung gehören zu den Instandhaltungskosten.
d) Raumkosten KR
Raumkosten sind kalkulatorische Kosten durch von der Maschine beanspruchte Grundfläche incl. Nebenfläche. Die Raumkosten enthalten desweiteren Abschreibungen und Zinsen auf Gebäude und Werkanlagen.
e) Energiekosten KE
Kosten durch Verbrauch von Strom, Gas, Benzin, Wasser usw. Ermittelt werden die Kosten aus Jahresdurchschnittswerten vergangener Jahre.
Formeln zur Berechnung des Maschinenstundensatzes
5.2.1 Bestimmung der Planbeschäftigung
Da die Planbeschäftigung als Nenngröße
des Maschinenstundensatzes dessen Wert beeinflußt, muß die
tatsächlich erreichbare Stundenzahl ermittelt werden.
| 365
-104 -10 -40 |
Kalendertage
Samstage, Sonntage Feiertage Tage (Urlaub, Krankheit) |
| 211 | Tage mit 7 Stunden = 1477 Std. |
Da die Maschine nicht ständig im Einsatz ist (z.B. Störungen, Wartezeiten, usw.) werden 20 % Gemeinkostenzeiten abgezogen.
1477 Std. - 295 Std. = 1182 Std.
Aufgabe:
a) Ermitteln Sie den für die Vorkalkulation
benötigten Maschinenstundensatz der Spezialfräsmaschíne
mit Hilfe der angegebenen Daten. In diesem Beispiel wird davon ausgegangen,
daß die Maschine ausschließlich von einem Mitarbeiter bedient
wird.
| Anschaffungskosten der Maschine in 1994 | 400 000,- DM |
| geschätzte Wiederbeschaffungskosten 1998 | 500 000,- DM |
| Nutzungsdauer | 8 Jahre |
| Kalkul. Zinssatz | 10% |
| Instandhaltungskosten/Jahr (Wiederbeschaffungswert) | 5% |
| Raumbedarf | 25 qm |
| Verrechnungssatz | 6,-DM/qm u. Monat |
| Elektrischer Anschlußwert | 20kW |
| Durchschnittliche Auslastung der Nennleistung | 60% |
| Stromkosten | 0,17 DM/kWh |
Lösung:
5.2.2 Ermittlung der kalkulatorischen Abschreibungen
Auszugehen ist vom Wiederbeschaffungswert, der für 1998 geschätzt werden muß:
5.2.3 Ermittlung der kalkulatorischen Zinsen
Die kalkulatorischen Zinsen sollen als Verzinsung des während der Nutzungsdauer der Maschine durchschnittlich gebundenen Kapitals berechnet werden. Dieses beträgt 50% der Wiederbeschaffungswert.
5.2.4 Ermittlung der Instandhaltungskosten
Dieser Schritt bereitet Schwierigkeiten, da nur über längere Zeit angefertigte Aufzeichnungen Aufschluß über die Höhe der Instandhaltungskosten geben können. Es sollte mit einem konstanten Satz gearbeitet werden, um Kontinuität von Kalkulation und Preisbildung zu sichern.
5.2.5 Ermittlung der Raumkosten
Hier sollen die vom Maschinenarbeitsplatz verursachten laufenden Gebäudekosten wie Instandhaltung, Abschreibungen, Zinsen, Energie-, Heizungs-, Reinigungskosten usw. erfaßt werden.
5.2.6 Ermittlung der Energiekosten
Entscheidend ist nicht der elektrische Anschlußwert, sondern der durchschnittliche Auslastungsgrad.
5.2.7
Ermittlung des Maschinenstundensatzes
| kalkul. Abschreibung | 62 500 DM / Jahr |
| kalkul. Zinsen | 25 000 DM / Jahr |
| Instandhaltungskosten | 25 000 DM / Jahr |
| Raumkosten | 1800 DM / Jahr |
| Energiekosten | 2411 DM / Jahr |
| Maschinenkosten | 116 711 DM / Jahr |
5.3 Kostenträgerkalkulation auf Basis der Maschinenstundensatzrechnung
Die Durchführung der Maschinenstundensatzkalkulation
erfolgt mit Hilfe des nachfolgenden Formulars. Hier sind die gesamten Kosten
für die Erstellung eines Produktes enthalten.
Beispiel:
Formular zur Durchführung der Maschinenstundensatzkalkulation
| Bezeichnung | Kosten in (DM) | Zuschlagsatz in (%) |
| Materialeinzelkosten (MEK) | ||
| Materialgemeinkosten (MGK) | ||
| Fertigungslohn (FL) | ||
| Maschinenkosten Universalmaschine | ||
| Maschinenkosten Spezialmaschine | ||
| Sondereinzelkosten der Fertigung (SEKF) | ||
| Herstellkosten (HK) | ||
| Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) | ||
| Vertriebsgemeinkosten (VtGK) | ||
| Selbstkosten (SK) | ||
| Gewinn (Gew) | ||
| Bruttverkaufspreis (BVP) | ||
| Provision (Prov) | ||
| Listenverkaufspreis (LVP) |
Aufgabe:
Für einen Auftrag von Spezialwerkzeugen ist ein Kostenvoranschlag zu machen. Die Bearbeitungszeit der Universalmaschine beträgt 40 Stunden und auf der Spezialmaschine 30 Stunden.
Bestimmen Sie die Selbstkosten und den Verkaufspreis für den Auftrag der Werkzeuge. Verwenden sie dabei das im Beispiel gezeigte Formular.
Es ist mit folgenden Kosten zu kalkulieren:
| Fertigungsmaterial | 820,00 DM |
| Fertigungslohn (incl. LNK) | 1500,00 DM |
| Maschinenstundensatz Universaldrehmaschine | 98,74 DM |
| Maschinenstundensatz Spezialdrehmaschine | 140,00 DM |
| Sondereinzelkosten der Fertigung | 1200,00 DM |
Nachstehende Zuschläge sind zu verwenden:
| MGK-Zuschlag | 10% |
| VwGK-Zuschlag | 7% |
| VtGK-Zuschlag | 5% |
| Gewinn | 10% |
| Skonto | 2% |
| Vertreterprovision | 5% |
Lösung:
| Bezeichnung | Kosten in (DM) | Zuschlagsatz in (%) |
| Materialeinzelkosten (MEK) | 820 | |
| Materialgemeinkosten (MGK) | 82 | 10 |
| Fertigungslohn (FL) | 1500 | |
| Maschinenkosten Universalmaschine | 3950 | |
| Maschinenkosten Spezialmaschine | 4200 | |
| Sondereinzelkosten der Fertigung (SEKF) | 1200 | |
| Herstellkosten (HK) | 11752 | |
| Verwaltungsgemeinkosten (VwGK) | 822,64 | 7 |
| Vertriebsgemeinkosten (VtGK) | 587,6 | 5 |
| Selbstkosten (SK) | 13162,24 | |
| Gewinn (Gew) | 1316,22 | 10 |
| Bruttverkaufspreis (BVP) | 14478,46 | |
| Provision (Prov) | 723,92 | 5 |
| Listenverkaufspreis (LVP) | 15202,38 |
Der Preis für den Auftag der Werkzeuge beträgt
15202,38 DM.
[1, S. 97]
Unsere Planbeschäftigung betrug 1204 Stunden.
Die geschätzten Kosten für die Maschine betrugen 390000 DM (
davon 60% variabel). Die tatsächliche Auslastung unserer Maschine
betrug 900 Stunden . Die Kosten bei der tatsächlichen Auslastung betrugen
350000 DM.
Aufgabe:
Ermitteln Sie die Verbrauchsabweichung, den Beschäftigungsgrad,
die Beschäftigungsabweichung und stellen sie die Ergebnisse graphisch
dar.
Verbrauchsabweichungen entstehen, wenn geplante Sollmengen
und tatsächlich verbrauchte Istmengen an Kostengütern unterschiedlich
hoch sind. Für die Verbrauchsabweichung bei einer Kostenstelle ist
der Kostenstellenleiter verantwortlich.
Verbrauchsabweichung = Sollkosten - Istkosten
Istkosten = 350 000 DM
Proportionale Kosten = 390 000 DM• 0,6 = 234 000 DM
Fixkosten = 390 000 DM • 0,4 = 156 000 DM
Sollkosten = Fixkosten + Proportionale Kosten • Beschäftigungsgrad
5.4.2 Beschäftigungsabweichung
Die Beschäftigungsabweichung erhält man,
indem man die Sollkosten den verrechneten Plankosten beim Istbeschäftigungsgrad
gegenüberstellt.
Beschäftigungsabweichung = verrechnete Plankosten - Sollkosten
verrechnete Plankosten = tatsächliche Auslastung • Plankostensatz
Beschäftigungsabweichung = 291528,24 DM - 346476 DM = - 54947,76 DM
Beschäftigungsabweichungen können durch
die betriebliche Auftragslage entstehen.
5.4.3 Graphische Darstellung der Plankostenrechnung
Quelle: [1, S. 144ff]
| Literatur- / Quellenverzeichnis | Inhaltsverzeichnis |